Kalle Gläser übergibt sein Mandat nach 20 Jahren Ratsarbeit an Dr. Marcus Richter
Das sagt Kalle zu seiner Entscheidung:
„Es fällt mir nicht leicht, mein Mandat im Jesteburger Gemeinderat vorzeitig niederzulegen und auch bei der nächsten Kommunalwahl nicht erneut anzutreten. Mein zweiundachtziger Körper tickt aber nunmal ganzheitlich anders als mein zweiundsechziger. Ich halbiere meine politische Aktivität, denn ich behalte noch meinen Sitz im Samtgemeinderat, und schaffe mir dadurch schon mal einen halben freien Kopf für einen neuen Lebensabschnitt. Mir fällt der Mandatsverzicht aber auch nicht schwer, weil Dr. Marcus Richter am 18. Februar meinen „grünen Sitz“ übernehmen möchte. Da bei der gegenwärtigen kommunalen Haushaltslage jedes Projekt und jede Investition durch das finanzielle Nadelöhr gepresst wird, freue ich mich, dass Marcus Richter unter anderem seinen Sachverstand als Banker in die politischen Beratungen einbringen kann.

Bevor ich in den Gemeinderat gewählt wurde, hatte oft eine Partei die Mehrheit und konnte „durchregieren“. Seit 2001 müssen in Jesteburg Entscheidungen zwischen den Parteien ausgehandelt werden, um Mehrheiten zu erzielen. Genau der damit verbundene Diskursanspruch hatte mich gereizt, in die Kommunalpolitik einzusteigen, da Kommunikation mein berufliches Schwerpunktthema war (und ist). Eine hierfür herausragende Erfahrung durfte ich als Grüner in der Schulinitiative der Samtgemeinde Jesteburg machen mit Steffen Burmeister SPD – wir vermissen Dich! – Nathalie Bögel, damals CDU, und vielen engagierten Jesteburger Bürgerinnen und Bürgern im jahrelangen politischen Kampf (!) für eine weiterführende Schule vor Ort. Nur diese parteiübergreifende und bürgerschaftliche Energie und der konstruktive Diskurs haben beispielhaft bei den Eltern, im Gemeinderat und Samtgemeinderat, im Landkreis und Bundesland zum Ziel geführt.
Gemeinsam konnten wir zeigen, dass es in unserer Kommunalpolitik nicht nur um parteipolitischen Gewinn geht, sondern hauptsächlich darum, gemeinsam Ziele zu erreichen, Herausforderungen zu bewältigen, um schließlich die ganzheitliche Entwicklung unserer Gemeinden voranzubringen! Zudem haben wir in unserer politischen Gemeinde die Verantwortung für eine vorbildliche demokratische Ratskultur, die vieles bewegt und schafft. Nur dadurch können wir auch verhindern, dass nationale Kräfte nicht aus Frust in den nächsten Gemeinderat gewählt werden!
Überregionale Zeitungen und das Nordheide Wochenblatt haben mir wieder gezeigt, wie positiv unser Dorf von außen wahrgenommen wird. Aber die Löcher in den Straßen, der herausgezögerte Grundschulbau, nicht zeitnah abgeschlossene Investitionsprojekte und noch viele andere Problemfelder verstellen zu oft unsere positive Innenwahrnehmung. Ich habe oft erlebt, wie schwer es ist, die konkurrierenden Sichtweisen in ein Gleichgewicht zu bringen.
Ganz besonders dafür, dass ich fast 20 Jahre lang Mitverantwortung in Jesteburg für die Entwicklung von Projekten haben durfte, mit vielen Ehrenamtlichen zusammenarbeiten konnte und durch die Verwaltung in der Umsetzung vieler Ideen und Ansprüche unterstützt wurde, bin ich sowohl den Wählerinnen und Wählern als auch unseren Grünen dankbar. Meine Mitarbeit in den Räten und der Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern war und ist herausfordernd, liegt aber in den Parteien und Gemeinschaften auf mehreren Schultern.
Trotz langer Sitzungsabende, trotz manches Mal stressiger Debatten und trotz einer Menge Vorbereitungszeit und obwohl ich manche meiner Ideen – zum Beispiel zur stärkeren Beteiligung der Bürgerschaft und zu weiteren Zukunftsstudien – nicht durchsetzen konnte, war für mich die Mitarbeit im Jesteburger Gemeinderat eine sehr erfüllende Aufgabe.
Wenn sich für den nächsten Gemeinderat wieder viele Bürgerinnen und Bürger zur Wahl stellen, es wäre gut für Jesteburg!
Danke Kalle!
Das sagt Marcus zu seinem Schritt:
„Vor mehr als 30 Jahren habe ich Jesteburg kennen und lieben gelernt, als ich beruflich für fünf Jahre hierhin versetzt wurde, bevor ich dann mit meiner Familie in meine rheinische Heimatstadt Düsseldorf zurückgekehrt bin. Vor fast zehn Jahren zog es mich wieder nach Jesteburg. Heute lebe ich hier zusammen mit meiner Lebenspartnerin. Wir haben 6 Kinder, 5 Schwiegerkinder und 2 Enkelkinder.
Nach Banklehre und Studium der Betriebswirtschaftslehre habe ich zunächst bei einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft gearbeitet und parallel zum Thema „Gemeinwirtschaft von Gewerkschaftsunternehmen“ promoviert. Anschließend war ich 36 Jahre in leitendenPositionen im Privat- und Firmenkundengeschäft bei zwei großen deutschen Kreditinstitutenin Düsseldorf tätig, beides Institute, die 2007 durch die Finanzkrise in starke Schieflagen gerieten. Eine sehr spannende Zeit, diese Krisen unmittelbar mit erlebt zu haben. 2024 bin ich dann in den Ruhestand gegangen.
Viele Jahre habe ich in Düsseldorf (Leistungs-)Hockey gespielt. Heute zählen zu meinen Leidenschaften neben unserer Großfamilie Reisen mit dem VW-Bus, Sport, Lesen, Studieren, die Nordsee und mein Lieblingsverein Fortuna Düsseldorf. Hinzukommen meine Engagements in verschiedenen Organisationen wie der Seeve Bürgerenergie e.G., bei Möhren & More e.V., dem Lions-Club Düsseldorf Renaissance, dem Düsseldorfer Hockey-Club e.V.
Politisch aktiv bin ich, weil ich dazu beitragen möchte, dass wir uns in unserer Samtgemeinde Jesteburg auf unsere demokratischen Werte besinnen und parteiübergreifend konstruktiv zusammenarbeiten. Respekt und gute Kommunikation sind dabei für mich entscheidend.

Mein Anliegen für die nächsten Jahre sind respektvolles Miteinander und sachliche Zusammenarbeit, realistische und zukunftsfähige Planung für die Samtgemeinde, Steigerung der Zufriedenheit und Lebensqualität der Bürgerinnen und Bürger, Unterstützung von Kultur und kultureller Vielfalt, insbesondere Unterstützung der Kulturstätte Bossard, konsequentes Voranbringen des Schulneubaus sowie Errichtung von Photovoltaikanlagen auf allen kommunalen Dächern.“
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